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Projekt:GRAU – 4. Tag: Blauholz-Färbungen

Geplant war – wie schon gesagt – ein helles Grau. Gefärbt habe ich an meinen ersten beiden Versuchstagen leider nur Dunkelgrau, Grauviolett oder Grüngrau, nicht so wirklich den Ton, den ich wollte, also probieren wir heute mit Blauholz ein Hellgrau zu zaubern:

Verwendet habe ich ein Rezept aus einer Broschüre des Ateliers Günter und Maria Meier in Dornach, Schweiz. Das Material wird mit 16 % Alaun vorgebeizt. Für 500 gr Wolle werden 50 gr Blauholzspäne über Nacht eingeweicht, mit 3 gr Soda und 2 gr Weinstein über eine halbe Stunde ausgekocht. Farbbad auskühlen lassen, Späne absiehen. Den 1. Zug habe ich eine halbe Stunde gefärbt, den 2. Zug ebenfalls. Den erste Zug habe ich nicht weiterbehandelt, da ich dort eine sehr schönes dunkles Violett bekommen habe und mir klar war, dass eine Weiterentwicklung nur ein sehr dunkles Grau geben würde, was ja nicht erwünscht war.

Also habe ich mit dem zweiten und etwas helleren Zug weiterexperimentiert und jeweils zwei Drittel der Wollstränge mit 1 % Eisen nuanciert, lehrbuchmäßig 15 min bei 80 °C. Das Ergebnis hat sich überhaupt nicht von der Originalfärbung unterschieden und so habe ich nochmals mit 2 % Eisen weitergefärbt, was dann doch einen gewissen Effekt gegeben hat: linksseitig die Originalfärbung, rechts der mit Eisen entwickelte Teil des Wollstranges.

Blauholz2015 (1)LammKlein

Blauholz2015 (2)SowoKlein

Nach dem Haspeln habe ich Vergleichsfotos gemacht, jeweils links der 1. Zug, der nicht weiterentwickelt wurde und rechts der 2. und weiterbehandelte Zug. Die Qualitäten sind von oben nach unten die Lammwolle, Sockenwolle (Wolle-Ramie) und Purista (Wolle, Seide, Ramie) am Ende. Auffallend ist, dass die reine Wolle auch im zweiten Zug erstaunlich dunkel geworden ist, gerade auch im Vergleich zu den anderen Wollqualitäten:

Blauholz2015 (7)LammKlein

Blauholz2015 (4)SowoKlein

Blauholz2015 (5)PuristaKlein

Bei den rechten Strängen sind die nebeneinanderliegenden violetten und die grau entwickelten Wollfäden gut zu unterscheiden. Alles in allem schöne Farben, “mein” Grau allerdings wieder nicht mit dabei. Ehrlich gesagt, hatte ich das auch nicht erwartet sondern mich schon darauf eingestellt, dass auch dieses Grau einen violetten Stich haben wird. Ich denke mal, dass da einfach schon das Ausgangsmaterial zu violettfarben ist um was anderes als ein Grauviolett geben zu können.

Trotzdem war ich etwas geknickt und machte Kaffeepause, bevor´s ans Aufräumen geht. Jetzt war ich drei Tage in Folge am Färben und hatte doch nicht das hingekriegt, was ich mir vorgenommen hatte. Ja, ja, ich weiss: beim Naturfärben muss man die Farben so nehmen wie sie kommen, nicht alles ist planbar. Ja, ja, ich weiss: Grau ist schwierig zu färben. Ja, ja, ich weiss, man kann mit den Pflanzenfarben die Farbe, aber nicht den genauen Ton färben. Ja, ja, natürlich, ich sag das alles auch meinen Kursteilnehmerinnen immer wieder. Ja, ja, ich weiss das alles schon. Trotzdem nagt ein bißchen Irgendwas an mir, während ich im Garten sitze und mir einen Kaffee gönne…nicht schwarz, schön dunkelbrau, mit etwas Milch, nein, nicht dunkelbraun sondern ein helles dunkelbraun!!!…nein, es ist nicht Ärger, und auch nicht Enttäuschung…trotzdem: Jetzt färbe ich seit dem Jahr 1999 mit Pflanzenfarben…hab also doch schon einiges an Erfahrungen gesammelt…und krieg das nicht hin… Es ist mehr der gekränkte Ehrgeiz, der mir da die Gedanken rundum gehen läßt und mein Streben nach Perfektionismus, welches nicht befriedigt wurde…und während ich vor mich hin grüble kommt mir eine Passage aus dem mail von Karin in den Sinn, die ich sofort nachlesen gehe: “…du kannst auch eine schwache Blauholzfärbung nehmen und die Wolle dann mit Eisen weiterentwickeln…”. Vielleicht waren meine Färbungen vor dem Entwickeln einfach zu stark?

Ich steh also wieder vor meinem Färbetopf und studiere die noch nicht ausgeschüttete, ausgelaugte Blaufärbeflotte. Schwach, ja, schwach, das ist sie, verdammt dünn… Ich frage mich, ob da überhaupt noch Farbe drin ist. Vorgebeiztes Material hab ich auch keines mehr vorrätig. Hhm… Der Kaffee im Garten ist sicher auch schon kalt… Also, was soll´s, irgendwas probier ich jetzt. Ich nehm drei klitzekleine Proben von Katharina´s Material, von mir je zwei Meter Lammwolle, zwei Meter Wolle-Ramie und – hach, da sparen wir – einen Meter Merinowolle-Seide. Alles auf die Waage: 5 gr zu färbendes Material. Dann gleich noch ein paar Brösel Eisen dazu – Waage: 2 gr Eisen – alles ab in die eh noch warme Flotte und einschalten. Gefärbt habe ich diesen sehr unkonventionellen 3. Zug über 45 min lang. Das ist natürlich in Kombination mit Eisen zu lange, da färbt man “normalerweise” maximal für 20 Minuten; und natürlich ist die Eisendosis viel zu hoch, “normalerweise” verwende ich maximal 4 % – aber es war ja ein Versuch. Und bitte, schaut was rausgekommen ist!!!

2015-Blauholz3 (4)klein

Schönes Silbergrau! Links die Muster von Katharina´s Material (Wollschnur, Seide, Wollstoff) und rechts meine Wollmuster (Lamm, Merino-Seide und Wolle-Ramie). Unten im Vergleich dazu der 2. Zug auf Purista (Wolle-Seide-Ramie). Am stärksten violettlastig ist die Mischung aus Merinowolle-Seide unten links. Mit den anderen Farben bin ich sehr glücklich!

2015-Blauholz3 (8)klein

Wie es ausschaut, braucht es eine wirklich, wirklich schwache Farbe, um daraus dann ein reines Grau zu entwickeln. Meine bisherigen Versuche waren sicher auch alle zu “farbig”, um Hellgrau zu ergeben. Danke Karin für den Tip!

Projekt: GRAU – 4. Tag: Blauholz – Gedanken und so…

Für die Probefärbungen für Katharina habe ich Blauholzspäne bestellt. Blauholz ist auch wieder ein Material, welches ich bisher zum Färben nicht verwendet habe. Irgendwie – wie soll ich sagen – habe ich keinen Bezug dazu, es hat mich bisher nicht interessiert. Jene Pflanzen, auf deren Färbungen ich neugierig war, habe ich mir entweder in meinen Garten geholt und dann geerntet (beziehungsweise mir vorgenommen, dies noch zu machen) oder ich habe die Färbedroge davon gekauft und ausprobiert. Bei Blauholz war das nie der Fall. In der Literatur und in verschiedenen Medien im Internet habe ich zwar immer wieder wunderschöne Blaufärbungen gesehen, hatte jetzt aber nie das Bedürfnis, selber auch Versuche mit diesem Material zu machen. Allerdings habe ich auch nie nachgespürt, warum ich eben diese Neugierde bei dem Material nicht hatte. Dies hab ich nun nachgeholt:

Bei jenem Blauholz, das ich bei meiner Bestellung bekommen habe, steht am Etikett “Ursprungsland Haiti”. Und da hab ich mein erstes Problem mit dem Material. Ich brauch keine tropischen Hölzer zum Färben, da sträubt sich was in mir. Ich versuche möglichst regionale Pflanzen zu verwenden, da passt mir das Blauholz einfach nicht rein. Jetzt hör ich natürlich schon die ersten kritischen Kommentare von euch: Cochenille und Indigo ist auch nicht regional. – Ja. Da gebe ich euch ein Stück weit recht. Nur sind diese beiden Färbemittel für mich durch nichts anderes zu ersetzten – erstens. Die würde ich persönlich sehr vermissen, Blauholz dagegen nicht. Und zweitens spielt der nächste Punkt in meiner Bewertung eine wesentliche Rolle:

Der nächste kritische Punkt ist die Lichtechtheit. Es ist bei den meisten Färberezepten nachzulesen, dass die Färbungen mit Blauholz angeblich schlecht lichtecht und zum Teil auch mäßig waschecht sind. Da hab ich jetzt mein zweites Problem mit dem Material.

Ich möchte meine Produkte ja auch verkaufen und meine Kunden sollen eine gute Qualität bekommen, so lichtecht wie möglich und so gut waschecht wie möglich. Es macht für mich wenig Sinn, das weit transportierte Ausgangsmaterial Blauholz zu kaufen, wenn ich dann am Ende ein Produkt habe, dass meinen Qualitätsanforderungen nicht entspricht. Es macht für mich wenig Sinn, mir die aufwändige Arbeit mit der Pflanzenfärberei anzutun, wenn mir das Erarbeitete keine Freude bereitet.

Aus diesen Gründen werde ich vermutlich auch weiterhin auf Blauholz verzichten. Und in diesen Gründen liegt für mich auch die Berechtigung für den Einsatz von Cochenille und Indigo. Ich arbeite gerne mit Cochenille und Indigo, ich bin fasziniert von der fast unerschöpfliche Farbausbeute, ich liebe die enorme Vielfalt an Farbnuancen und freu mich über die gute Licht- und Waschechtheit. Ich werde jetzt mal meine eigenen Blauholz-Proben auf Lichtechtheit testen und mir dann ein Urteil fällen.

Das alles ist natürlich meine ganz persönliche Sicht auf die Dinge. Jeder hat andere Prioritäten und sucht sich seine Färbepflanzen nach eigens gesetzten Schwerpunkten aus. Oder noch weiter gegriffen entscheidet jeder für sich, ob mit Pflanzenfarben oder synthetischen Farben gearbeitet wird. Jede Technik hat ihre Vorteile und Nachteile, jeder hat seine ganz persönlichen Gründe, sich für die eine oder andere Variante zu entscheiden. Es ist unsinnig, das eine oder das andere als “schlechter” oder “besser” abzustempeln. Es muß in erster Linie für die passend und stimmig sein, die damit arbeiten.